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Stellvertretend für die verschiedenen Fechtschulen des
Mittelalters und der Renaissance haben wir uns für die "Deutsche
Schule" entschieden:
- Einhandschwert und Faustschild im Stil des I.33
Langschwert, langes Messer, Dussack, Dolch, Stangenwaffen und Rapier
Achtung:
Diese Techniken sind nur für Kämpfer geeignet, die
mit der
Sicherheit im Schwertkampf und den Besonderheiten dieser hoch
effektiven Fechtschulen vertraut sind. Bei der Anwendung ohne die
notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten im Umgang mit der Waffe
besteht erhebliche Verletzungsgefahr! Sämtliche Techniken sind
der
Anschaulichkeit wegen ohne Schutzkleidung nachgestellt. Zur
tatsächlichen Durchführung ist eine entsprechende
Ausrüstung jedoch dringend empfohlen.
Vorstellung einzelner Techniken aus dem Fechtbuch I.33
Für unsere Schule beginnt alles mit dem weltweit ältesten erhalten gebliebenen Manuskript des süddeutschen Pfaffen Luitger,
dem farbig illustrierten „Codex membra“ (heute vor allem als “Towerfechtbuch I.33“ bekannt), welches ca. um 1295-1300 geschrieben wurde.
Darin wird ausschließlich der Zweikampf mit (Kurz-) Schwert und kleinem Faustschild (Buckler) dargestellt, wie ihn ein Priester (!) als
Fechtmeister seinen zivilen Schülern in einem komplexen und in sich geschlossenem System vermittelt.
Auf den letzten Seiten unterweist er sogar eine Frau (!!), Walpurgis genannt, die aber auch als Metapher für einen schwächlichen Kämpfer stehen
könnte.
Die Schwierigkeit in der Rekonstruktion alter Aufzeichnungen wie dieser
liegt darin, dass man oft nur aus einer Start- und einer Endposition
den gesamten Ablauf einer Technik lesen muss. Kurze
Merksprüche am
Rand helfen dabei, jedoch sollte man des Latein mächtig sein
und
eine gewisse Erfahrung in der Interpretation solcher Texte und
Zeichnungen besitzen.
Zusammen mit einem seiner Schüler hat unser Trainer Matthias
Voigt
es sich zur Aufgabe gemacht, das Fechtbuch I.33 nachvollziehbar
für die sportliche Anwendung aufzubereiten. Die ersten
Ergebnisse
möchten wir folgend auch stellvertretend als Einblick in das
allgemeine Thema mittelalterlicher Schwertkampf vorstellen.
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Schwertkampftrainer
Matthias Voigt
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Schwertkampfschüler
Eric Mertens
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"Die
historische korrekte Rekonstruktion dieser uralten Techniken
übt
eine besondere Faszination auf uns aus & manchmal
grübeln wir
tagelang über einem einzigen Bild, bis wir eine
schlüssige
Auflösung finden. Wir freuen uns sehr, dieses in vielen
Stunden
und Monaten erarbeitete Wissen endlich weitergeben zu können."
Technik
I - "Kontermöglichkeit 1 gegen den Langort"
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| Eric
im mittleren Langort und Matthias in Hut 1 (Schwert unter dem Arm). |
Matthias unterbindet
Erics Klinge u. führt eine Rotationsbewegung im Uhrzeigersinn. |
Selbe
Situation aus gegenüber liegender Perspektive. |
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| Matthias am Ende der
Rotation, zur gleichen Zeit tritt er ein. |
Jetzt folgt ein
Schildschlag durch Matthias, welcher Eric bindet. |
Den
Abschluss bildet ein Stich. |
Technik II - "Umfassen von Schwert und Schild"
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| Eric
steht in der Krucke, dem Versatz der 3. Hut (Schwert über
linker Schulter), die Matthias führt. |
Matthias
eröffnet den Kampf und bindet an. |
Eric
tritt ein und versetzt mit Rotationsbewegung im Uhrzeigersinn. |
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| Eric dreht
linksseitig ein und umgreift mit seinem Schildarm beide Arme von
Matthias. |
Er
beendet die Aktion mit einem Stich. |
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Technik
III - "Dritte Hut gegen Halbschild"
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| Matthias
in 3. Hut (Schwert linke Schulter), Eric im Versatz, der "rechts
schützen" genannt wird (Arme überkreuzt). |
Matthias
bindet von oben und tritt ein. |
Rotation
des Schwertes im Uhrzeigersinn und Schildschlag, welcher Eric bindet. |
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| Matthias
tritt an Eric vorbei... |
... und
führt eine Ringertechnik durch. Er wirft Eric über
sein rechtes Bein. |
Matthias
beendet mit einem Stich. |
Langschwert, Dussack, Dolch etc.
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| Langschwert-Technik
1 |
Langschwert-Technik
2 |
Kampf
mit dem Dussack |
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| Dolchkampf |
Kampf mit Hellebarden |
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Deutsche
Schule
Der Begriff „Deutsche Schule“ ist eine moderne Umschreibung, geprägt von zeitgenössischen Kampfsportinteressierten, Historikern, Re-enactoren etc. ...
die vor einigen Jahrzehnten begannen, anhand der wenigen erhalten gebliebenen Fechtbücher alter Meister, Klarheit und Struktur in das mittlerweile
sagenumwobene Kapitel „Fechtkunst“ des ohnehin mystifizierten „Mittelalters“ zu bringen.
„Zurückzubringen!“ muß man sagen, denn in ihrer Effiziens und Logik waren schon die ersten damaligen Veröffentlichungen absolut grundlegend und
wegweisend für alle nachfolgenden Meister... und überraschen damit uns, die wir uns heute ihrer annehmen.
Die „Deutsche Schule“ umfasst einen Zeitabschnitt vom späten 13. bis frühen 17. Jahrhundert und beginnt (siehe oben) mit dem weltweit ältesten
erhalten gebliebenen Manuskript eines süddeutschen Mönches, datierend vom Ende des 13.Jh., der das Fechten mit Faustschild (Buckler) und
einhändig geführtem Schwert in einem vollständigen und in sich geschlossenem System darlegte.
Besser bekannt als „1.33“ nach der Inventarnummer des Towermuseums in London, wo es aufbewahrt wird.
Keine hundert Jahre später haben wir den nächsten Namen: Johannes Lichtenauer (zuweilen in verschiedenen Schreibweisen), der neben Lanze, Spieß
und Dolch, mit dem Langschwert und dem langen Messer neue Waffen vorstellte und deren Natur gemäß einen neuen Fechtstil niederschrieb, der auch
erstmals in „Bloßfechten“ und „Harnischfechten“ unterschied (ungerüstete und gerüstete Kämpfer), zudem auch „Rossfechten“ (vom Pferde aus) und
Ringen lehrte.
Alles war in Merkversen verfasst, die man wie ein Gedicht nur SO lernen und darum nicht verfälschen oder durcheinanderbringen konnte.
Er wurde in jeder Hinsicht wegweisend und federführend für alle nachfolgenden Meister, die auf seinem System aufbauten, es noch erweiterten und in
ihren eigenen Schriften festhielten. Und nur so blieb es uns erhalten, denn Lichtenauers Buch ist bisher ungefunden, aber sie kannten seine Verse noch,
notierten sie und kommentierten sie respektvoll mit ihren eigenen Erfahrungen , fügten Illustrationen hinzu, schufen so ihre eigenen Werke, basierend
auf seinem.
Döbringer (wieder ein Priester), Ringeck, Peter von Danzig, Lebküchner, Talhoffer, Sutor, Meyer sind die bekanntesten Namen.
All diese Meister also, angefangen beim 1.33 - Mönch, beeinflussten das gesamte „alte Europa“.
In England, Spanien, Frankreich, Italien wurde nach ihrem System gefochten, darum also „Deutsche“ Schule... bis die weitere Entwicklung der Waffen und
dazu die speziellen nationalen Eigenheiten schon ab dem späten 16.Jh. in die französische, spanische, italienische Schule überführten.
Diese waren nun aber nicht mehr chronologisch aneinandergereiht, sondern begannen sich zeitlich zu überdecken, aufgrund der rasanten Entwicklung der
Blankwaffen.
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