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Der historische Schwertkampf


Zufechten
am Beispiel des I.33

Wenn man dem alten Fechtmeister Liutger als unserem ältesten bekannten Fechtmeister (Autor einer Fechtschrift aus dem Jahre 1295) Glauben schenkt, besteht das frühe Fechten (übrigens zum Zwecke der Körperertüchtigung und als Vorbereitung auf einen im Ernstfall zu erwartenden Schlagabtausch) aus einer Anordnung verschiedener Schläge, die den sieben Huten zugeteilt waren: Die Hut ist eine spezifische Körperhaltung, der eine bestimmte Haltung des Schwertes zugeordnet ist. Nur aus diesen sieben Grundstellungen und ihrer festen Abfolge baute sich der Anfang eines Kampfes auf. Später wurde dies als Zufechten bezeichnet. Weiterhin sagt Meister Liutger, dass der ganze Kern der Fechtkunst in der Hut Langort liegt, in welcher jede Aktion des Schwertes und der Verteidigung abgeschlossen wird: Daher bedenke diese oben genannte Hut als erste gut. Dies ist ein starkes Indiz dafür, dass in der Fechtkunst nicht immer Gewaltschläge geführt wurden. Man hätte diese kaum in der letzten Hut beenden können. So bekommt auch das Wort Schlag einen anderen Charakter: Es stellt sich nun nicht mehr als der aus Hollywood bekannte martialische Schwertstreich dar, der den Gegner durch pure Kraft zu Boden krachen lässt. Der Schlag ist vielmehr einem taktischen Schachzug gleichzusetzen auf dem Spielfeld der Ehre. Die Kämpfe waren vermutlich stark ritualisiert, ähnlich den Fairplay-Regeln moderner Sportarten.


Obsessio rara

Allerdings gab es auch damals schon Kämpfer, die mit viel Geschick und Übung kunstvolle, dem Gegner fremde Körperhaltungen und Schwertführungen ersannen um sich einen Vorteil zu erfechten. Obsessio rara pflegte diese der Meister Liutger zu nennen - seltene Belagerungen. Auch diese wurden gelehrt, jedoch nicht dem gemeinen Mann, der sich eher mit einer instinktiven Schwertführung behalf. Die wahre Kunst des Fechtens blieb den erlauchten Kreisen der Ritterschaft vorbehalten. Der Grund der Obsessio rara lag wohl im psychologischen Vorteil die Verwirrung und Verunsicherung des Gegners durch die Einnahme kunstvoller, nicht instinktiv wirkender, aber eben unbekannter Stellungen. Dem Gegenüber wurde damit signalisiert, dass der Kämpfer erfahren und Eins mit seiner Waffe ist. Dies ist auch heute noch ein wichtiges Attribut und das nicht nur beim Fechten, sondern in vielen Kampfsportarten.


Anbinden

Wie geht es weiter? Der erste Schlag ist geführt. Der Gegner hat ihn pariert, in dem er ihn nicht angenommen (mit Schwert oder Schild weggeschlagen) oder aber angebunden hat (Die Klingen treten in Kontakt). Im Falle der Nichtannahme beginnt das Zufechten von vorn. Nach der Anbindung ist es das Ziel, durch allerlei Bewegungen mit der Klinge zum Gegner durchzugelangen. Ein Schnitt, ein Stich, oder auch ein Schlag mit dem Schild. Es wird mit ganzem Körper- und Waffeneinsatz gewunden, gewechselt, gestoßen und geschlagen. In dieser aus der Anbindung entstandenen Situation zeigt sich der wahre Kämpfer. Er reagiert schnell, gekonnt und ausdauernd. Hierin liegt das Geheimnis des Fechtens. Es wurde übrigens nicht zwingend bis zum Tode oder der Kampfunfähigkeit gerungen, auch die ehrenvolle Aufgabe eines der Gegner konnte das Ende des Kampfes besiegeln.